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in Tagebuch kann eine nützliche Sache sein, wenn darauf verzichtet wird, belanglose Details aus dem Alltag aufzuschreiben, wie zum Beispiel das plötzliche Nasenbluten bei der Morgentoilette. Als verDichter beschränke ich mich deshalb auf Einträge zum "Fachgebiet", wobei darunter auch all die Gedanken zu verstehen sind, die sich nur indirekt mit dem Verseschmieden befassen. Und dabei handelt es sich durchaus um eine beachtliche Anzahl.
Oft sind es nur Fetzen, die mir durch den Kopf gehen, die aber eine spezielle Relevanz haben, und die ich meistens nicht in einer der Rubriken dieses WebSite unterbringen kann oder möchte, weil sie nicht in die Zusammenhänge passen oder einfach zu andersartig sind.
Alltägliches kommt jedoch auch immer mal wieder vor, allerdings in der Regel nur dann, wenn es mir für mein Schrei(b)en relevant erscheint, wenn es Zusammenhänge zwischen den Lebenserfahrungen und dem gibt, was literarisch daraus (gemacht) wurde oder werden könnte.

Die Lektüre ist aber sicher nicht langweilig und macht zudem mit all den Kleinigkeiten bekannt, die meiner Meinung nach beim verDichten - oft sogar zwingend - wichtig sind und mitunter auch zur Klärung der einen oder anderen "hermetischen" Wendung in den verDichtungen oder innerhalb der Texte zum Beispiel in der Lyrikologie beitragen.
Das gilt, obwohl ich bei diesen Notizen nicht ganz so genau sein muss, wie bei all den anderen Texten. Beim Tagebuchschreiben möchte ich mitunter ein bisschen lockerer bleiben.

Ein paar Anmerkungen noch zu den Datumszeilen:

Bei diesen Tagebuch-Notizen verhält es sich ähnlich wie bei meinen verDichtungen: Die Gedanken sind grundsätzlich "zeitlos", das heißt, es würde eigentlich in die Irre führen, sie - um es literaturwissenschaftlich zu sagen - "historisch-kritisch" betrachten zu wollen. Von dieser Methode halte ich ohnehin nur bedingt etwas, weil die "Werke" eines Autors für sich stehen, gelten und verstanden werden sollten, ganz unabhängig von der "Phase", in der sie entstanden sind.
Eine verDichtung, die ich vor zum Beispiel 30 Jahren geschrieben habe, ist nicht deshalb aussagekräftiger, "besser" oder "schlechter", weil sie nicht erst im Alter von 66 Jahren entstanden ist.

In der Literaturwissenschaft ist es üblich, penibel darauf zu achten, wann ein Autor eine Geschichte oder ein Gedicht oder sonst irgendeinen Text geschrieben hat, um dann zu spekulieren, welche Zusammenhänge mit lebens- oder weltgeschichtlichen Ereignissen diese Texte haben könnten.
Das halte ich in vielen Fällen für kompletten Unfug, weil die Geschichten oder Gedichte - sofern es sich um Kunst handelt und nicht um naturalistische Schilderungen oder nur um profane Unterhaltung - von wohl fast allen Autorinnen "für die Ewigkeit geschrieben" werden. Ob eine Lyrikerin oder Roman-Schriftsteller ihre Werke mit 35 oder mit 75 Jahren verfasst haben, ändert an der Gültigkeit und/oder der Qualität der darin enthaltenen Überlegungen, Schilderungen und Formulierungen in der Regel nichts. Die Verfasserinnen verwerfen ihre früheren Werke ja auch nicht, nur weil sie drei Jahrzehnte älter geworden sind.
Ausnahmen gibt es natürlich immer wieder, aber die kommen eher dadurch zustande, dass die Inhalte zu jeder Zeit fragwürdig sind und weder einen wirklichen Anspruch haben, noch die Kriterien ernsthafter Kunst erfüllen. Und das gilt gleichermaßen für die Tagebuch-Aufzeichnungen - und natürlich auch für meine verDichtungen. Auch schon sehr alte Texte bleiben für mich richtig, gültig und beachtenswert, wenn sie zum Zeitpunkt ihres Entstehens dies alles schon waren.

Insofern sind die Datumszeilen hier im Tagebuch immer gleich.
Sie einfach wegzulassen, wäre vielleicht auch eine Möglichkeit gewesen, um das Zeitlose dieser Notizen zu betonen, aber die Spielerei mit dem Automatismus, der immer das aktuelle Datum anzeigt, fand ich hübscher, weil dadurch genau das ausgedrückt wird, was ich oben bereits gesagt habe:
Jeder Tagebuch-Eintrag behält auch dem Anschein nach seine Aktualität - ganz gleich wie alt er ist.
Natürlich kann gefragt werden, warum diese Textsammlung dann Tagebuch heißt. Das ist so ähnlich, als würde man sich fragen, warum ein Text nicht Novelle, sondern Geschichte oder Erzählung genannt wird, wenn ihm einige formale Elemente fehlen. Ein anderer Text wird hingegen Roman genannt, obwohl er "nur" eine lange Erzählung ist.

Da wird eines meiner Lieblingsthemen sichtbar:
Literaturwissenschaftliche Definitionen zeichnen sich dadurch aus, dass sie häufig recht unscharfe Erscheinungen sind.

Auch in diesem Sinne wünsche ich nun gute Unterhaltung, vielleicht sogar ein wenig Vergnügen, vor allem aber das eine oder andere Aha-Erlebnis.

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