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Seltsame Tatsachen


s gibt beim Schreiben – und besonders beim verDichten – einige ausgesprochen irritierende Begleiterscheinungen, die auch nicht verschwinden, wenn sie schon mehrfach als Blödsinn erkannt und auf diese Weise zu beherrschen versucht wurden. Eine dieser Merkwürdigkeiten ist, dass ich immer wieder eine Scheu, eine sehr wahrnehmbare Hemmung in mir spüre, einen Gedanken, den ich im Kopf einigermaßen in Worte übersetzt hatte, nun auch aufzuschreiben.

Was sich dabei genau abspielt, habe ich noch nicht herausbekommen, aber soviel ist klar: Ich „denke“, dass ich das, was ich da jetzt aufschreiben will, nicht mehr zurücknehmen, es nicht mehr ungeschehen machen kann. Und ich zögere – gucke vermutlich leicht dämlich irgendwohin und nehme noch einmal Anlauf, bevor ich diesen „Sprung“ wage, einen Inhalt aus meinem Kopf aufs Papier oder auf eine Festplatte wandern zu lassen. Das geschieht, obwohl ich ganz genau weiß, dass ich es – am Computer noch leichter als mit Stift und Papier – wieder verschwinden lassen kann, durchstreichen oder löschen und in der ärgsten Not auch das Blatt aus dem Notizbuch reißen, zerknüllen, wegwerfen oder sogar verbrennen.

Es ist wie verhext, weil irgendeine meiner Nervenzellen anscheinend falsch vernetzt ist und diese Bindungen auch nicht durch ständige Wiederholungen, gutes Zureden oder bewusstes Zuwiderhandeln aufgelöst werden können. Es passiert immer wieder so – und ich empfinde es oft als ausgesprochen hinderlich, weil es den Fluss staut oder ihn in einem imaginären Sand teilweise versickern lässt.

Natürlich gibt’s da auch ganz einleuchtende Erklärungen, zum Beispiel, dass es immer schwer ist, sich von einem solchen Gedanken wieder zu trennen, wenn er denn auf oder in die Welt gekommen ist, besonders dann, wenn er schon „Nachkommen“ hat, also Fortsetzungen, die ohne ihn nicht mehr lebensfähig sind. Aber das ist viel zu vernünftig und außerdem auch deshalb nicht stichhaltig, weil dahinter nur Faulheit oder Bequemlichkeit stecken würden, und beides ist mir beim Schreiben noch nicht begegnet. Um mich am Schreiben zu hindern, habe ich ganz andere Sachen auf Lager – zum Beispiel ständige Zigarettenpausen – mit oder ohne Kaffee.

Es ist eher so, als würde ich mich davor fürchten, etwas zu erschaffen, das dann auf seine Existenzberechtigung pocht, die durch dieses Sichtbarwerden durch Schrift entstanden sei, und ich mich einer Untat schuldig mache, wenn ich es wieder von der Bildfläche verschwinden ließe.

Völliger Blödsinn! Aber so isses!

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